Zughilfen Fitness: Effektives Training für mehr Kraft

Lena Friedrich

Zughilfen Fitness: Effektives Training für mehr Kraft

Lesezeit 6 Minuten

Du stehst vor der Langhantel. Du willst mehr Gewicht bewegen, die Klimmzüge besser hinbekommen, aber deine Unterarme brennen schon nach wenigen Wiederholungen aus. Kennst du dieses Gefühl? Es ist frustrierend, wenn der Rest deines Körpers bereit für die nächste Leistungsstufe ist, aber die Griffkraft einfach nicht mitzieht. Genau hier kommen Zughilfen ins Spiel. Viele denken, sie seien nur etwas für „Pros“ oder ein Zeichen von Schwäche. Lass uns das heute ganz entspannt klären. Ich zeige dir, wann und wie dir Trainingshilfen helfen, dein wahres Potenzial im Krafttraining freizusetzen.

zughilfen fitness: mehr als nur ein Hilfsmittel

Was genau sind Zughilfen? Ganz einfach: Es sind Riemen oder Schlaufen, die du um deine Handgelenke und die Hantel wickelst. Sie funktionieren wie eine Verlängerung deiner Hand, die dir zusätzlichen Halt gibt. Der Hauptzweck ist, die schwächste Kette in deinen Zugübungen – oft die Unterarme – zu entlasten, damit die stärkere Muskulatur (Rücken, Bizeps) überhaupt arbeiten kann.

wann macht der einsatz von zubehör überhaupt sinn?

Es gibt Situationen, da sind Zughilfen Gold wert. Wenn du merkst, dass deine Griffkraft dich limitiert, ist es Zeit, darüber nachzudenken. Das passiert häufig bei schweren Kreuzheben, Rudern über längere Zeit oder wenn du an deine persönlichen Bestleistungen herangehst.

Denk mal an dein letztes schweres Rudern. Hast du die Bewegung sauber durchgezogen, aber die Hantel rutschte dir weg, bevor der Rücken fertig war? Oder beim Klimmziehen: Du spürst, wie dein Latissimus brennt, aber du musst loslassen, weil deine Finger krampfen? Das sind klare Signale. Wenn du diese Übungen nur mit geringem Gewicht machst, weil du das Gewicht halten musst, trainierst du nicht effektiv deinen Zielmuskel. Du trainierst nur deine Griffkraft – und die wollen wir ja eigentlich über das gezielte Training verbessern, nicht durch das Limitieren anderer Übungen.

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der mythos der schwäche: zughilfen und dein ego

Lass uns über den Elefanten im Raum reden: das Ego. Viele Trainierende scheuen Zughilfen, weil sie glauben, das sei Schummeln. Sie denken, wer sie benutzt, kann das Gewicht eigentlich nicht halten. Das stimmt so nicht. Stell dir vor, du trainierst deine Beine. Du würdest auch keine Kniebeugen mit einem Gewicht machen, das du nur halten kannst, aber nicht sicher bewegen. Dein Ziel ist es, deine Beinmuskulatur zu stärken, nicht deine Hüftbeuger zu überlasten, nur weil du keine Gürtel benutzt.

Zughilfen sind Werkzeuge. Wie ein guter Satz Schuhe beim Laufen oder ein spezieller Griff beim Turnen. Sie ermöglichen es dir, dich auf das zu konzentrieren, was du primär trainieren willst. Wenn du deinen Rücken aufbauen willst, lass die Griffkraft nicht der limitierende Faktor sein. So nutzt du Trainingszeit effizienter.

die verschiedenen arten von zughilfen und wie du sie anlegst

Es gibt verschiedene Varianten, die für unterschiedliche Übungen besser geeignet sind. Kennst du sie alle? Die richtige Anwendung ist entscheidend, sonst bringen sie dir nichts oder sind sogar hinderlich.

handgelenkschlaufen (straps)

Diese sind die Klassiker für schwere Ziehbewegungen wie Kreuzheben oder schweres Rudern. Sie bieten maximalen Halt, indem sie sich um das Handgelenk legen und dann um die Stange.

  • Anwendung beim Kreuzheben: Du wickelst den Riemen um die Hantelstange, nachdem du sie im Untergriff gefasst hast. Ziehe fest an. Sobald du die Hantel hochziehst, zieht sich der Riemen fester. Am oberen Punkt der Bewegung lässt du die Spannung etwas nach, sodass du die Hantel beim Absenken kontrolliert abgeben kannst, ohne dass der Riemen blockiert.
  • Vorteil: Sie geben dir einen sehr sicheren, mechanischen Halt. Ideal, wenn du sehr hohe Wiederholungszahlen oder maximale Gewichte bewegst.

powergrips oder fingerless gloves mit extra grip

Diese sehen eher aus wie Handschuhe, haben aber oft eine zusätzliche Lasche, die über die Handfläche nach unten hängt. Sie sind eine Mischung aus Griffschutz und leichter Unterstützung.

  • Wann nutzen: Gut für Klimmzüge oder Latzug, wenn du nur leichte Unterstützung brauchst und trotzdem noch ein gutes Gefühl für die Stange haben möchtest.
  • Achtung: Sie bieten weniger mechanische Unterstützung als volle Straps, aber mehr Komfort und Schutz vor Schwielen.

Wenn du dich für Krafttraining zu Hause interessierst, können diese Hilfsmittel nützlich sein, um deine Leistung zu steigern.

hook grips (haken)

Diese sind meist aus Metall und sehen aus wie ein Haken, den du über die Stange hängst. Du greifst mit der Hand über den Haken.

  • Einsatzgebiet: Sehr beliebt bei schweren Ziehübungen, da sie weniger wickelaufwand bedeuten. Du musst nur schnell den Haken ansetzen und schon hält er.
  • Wichtig: Achte darauf, dass der Haken nicht direkt auf deinem Handgelenk drückt, wenn du das Gewicht hältst. Dies kann unangenehm sein.

praktische tipps: wann du zughilfen verwenden solltest

Du trainierst vielleicht schon lange, aber es gibt klare Szenarien, in denen der Einsatz von Trainingshilfen sinnvoll ist, ohne dass du dich darauf verlassen musst.

1. für maximale kraftentwicklung im rücken

Wenn dein Ziel ist, deine Rückenmuskulatur zu maximieren – denk an breite Latissimus-Muskeln oder dicke Trapezius-Fasern – musst du diese Muskeln fordern. Wenn du beim Kreuzheben nur 80% deines Möglichen schaffst, weil deine Unterarme nachgeben, dann trainierst du nicht hart genug für den Rücken. Nutze die Zughilfen, um dein ideales Arbeitsgewicht für den Rücken zu erreichen. So schaffst du den nötigen Reiz für den Aufbau.

2. bei hoher trainingsfrequenz und volumen

Wenn du viele Sätze und Wiederholungen in einer Einheit machst (hohes Volumen), ermüden die Unterarme sehr schnell. Nach dem dritten Satz Rudern sind deine Unterarme oft schon platt. Zughilfen erlauben dir, die geplanten Sätze und Wiederholungen sauber durchzuziehen, ohne dass die Griffkraft pausieren muss. Das sorgt für eine gleichmäßigere Trainingsbelastung über die gesamte Einheit verteilt.

3. zur regeneration und vermeidung von verletzungen

Manchmal schmerzt die Hand oder der Unterarm vom vielen Tragen, Greifen oder Arbeiten. Bevor du eine Zerrung riskierst oder eine Pause wegen Überlastung einlegen musst, helfen dir die Hilfen, das betroffene Gebiet zu entlasten. Du kannst deinen Trainingsplan beibehalten, während die kleinen Muskeln im Unterarm Zeit zur Erholung bekommen. Dies ist besonders wichtig, wenn du bereits Anzeichen von Tennisarm oder Golferellenbogen spürst.

wie du die griffkraft trotzdem stärkst

Der größte Fehler wäre, die Zughilfen dauerhaft für jede einzelne Zugbewegung zu nutzen. Das führt dazu, dass deine Unterarme schwach bleiben und du in Zukunft noch mehr auf die Hilfsmittel angewiesen bist. Du musst eine Balance finden. Um deine Griffkraft gezielt zu verbessern, kannst du spezifische Seilzugübungen in dein Training integrieren.

Ich empfehle dir, die Zughilfen strategisch einzusetzen. Betrachte sie als deinen „Turbo-Boost“ für die schwersten Sätze. Aber nutze sie nicht für die Aufwärmsätze oder niedrigere Wiederholungsbereiche.

die 80/20-regel für zughilfen

Versuche, die folgenden Übungen ohne Zughilfen durchzuführen:

  1. Aufwärmsätze: Immer ohne Hilfsmittel. Du baust so ein Gefühl für das Gewicht auf und aktivierst die nötigen Haltemuskeln.
  2. Leichtere Arbeitssätze: Sätze mit mehr als 12 Wiederholungen. Hier ist die Griffkraft oft noch ausreichend.
  3. Isolationsübungen: Kurzhantelrudern oder Bizepscurls benötigten selten Hilfe.

Nutze die Zughilfen gezielt für deine Sätze, bei denen du weißt, dass die Unterarme versagen, bevor der Zielmuskel ermüdet ist. Das ist meistens im Bereich von 5 bis 8 Wiederholungen mit sehr hohem Gewicht.

spezielle greifkraft-übungen

Ergänzend zum Training mit Hilfsmitteln, solltest du gezielte Übungen einbauen, die deine Griffkraft pushen. Diese kannst du am Ende des Trainings machen, wenn die Arme schon etwas müde sind, aber du nicht mehr an deine körperlichen Grenzen gehst.

  • Farmer’s Walk: Nimm zwei schwere Kurzhanteln oder Kettlebells und gehe damit eine bestimmte Strecke. Das ist fantastisch für die allgemeine Griffkraft und Rumpfstabilität.
  • Hängen an der Klimmzugstange: Hänge einfach so lange wie möglich. Versuche, deine persönliche Bestzeit zu schlagen.
  • Plate Pinches: Halte zwei glatte Gewichtsscheiben (die glatte Seite nach außen) nur mit den Fingerspitzen zusammen. Das trainiert deine Fingerkraft intensiv.

Wenn du diese Übungen regelmäßig einbaust, wirst du merken, dass du die Zughilfen immer seltener benötigst.

auswahl des richtigen materials für dich

Die Qualität der Zughilfen macht einen Unterschied, das wirst du schnell merken. Es geht nicht nur darum, dass sie halten, sondern auch darum, wie sie sich anfühlen und wie lange sie halten.

materialien im vergleich

  • Nylon/Kunstfaser: Leicht, oft günstiger, aber neigt dazu, bei sehr hohen Gewichten etwas einzuschneiden oder weniger Halt zu bieten als Leder. Gut für Anfänger.
  • Leder: Langlebig, bietet sehr guten Halt und fühlt sich stabiler an. Leder kann anfangs steif sein, wird aber mit der Zeit weicher und passt sich deiner Hand an. Ideal für Powerlifter oder sehr schwere Züge.

Achte beim Kauf darauf, dass die Schlaufen nicht zu dünn sind. Eine breitere Auflagefläche am Handgelenk verteilt den Druck besser und verhindert unangenehme Druckstellen. Du willst trainieren, nicht deine Hand einschnüren.

häufig gestellte fragen

soll ich zughilfen bei jedem kreuzheben benutzen?

Nein, das solltest du vermeiden. Nutze sie nur für die schwersten Sätze, bei denen deine Griffkraft nachweislich vor der Kraft deines Rückens versagt. Für die Aufwärmsätze und leichtere Arbeitslasten trainierst du deinen Griff lieber ohne Hilfe, damit er konstant stärker wird.

gehen zughilfen für klimmzüge?

Ja, sie eignen sich hervorragend für Klimmzüge, besonders wenn du Sätze mit vielen Wiederholungen oder spezielle Techniken wie „Cheating Pull-ups“ machst. Sie entlasten die Finger und erlauben dir, dich komplett auf die Kontraktion des Latissimus zu konzentrieren. Wenn du aber deinen Unterarm trainieren willst, lass sie weg.

wie reinige und pflege ich meine zughilfen?

Das hängt vom Material ab. Lederzughilfen solltest du regelmäßig mit einem Lederpflegemittel behandeln, damit sie geschmeidig bleiben und nicht reißen. Nylonriemen kannst du meist mit einem feuchten Tuch abwischen. Lass sie nach jedem Training komplett an der Luft trocknen, um Geruchsbildung und Schimmel zu vermeiden.

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